Suzhou – die Stadt mit vielen Namen – Tag 1

Für dieses Wochenende haben wir uns die Stadt Suzhou und ihre Umgebung als Reiseziel ausgesucht. Diese Reise haben wir ebenfalls mit deutscher Reiseleitung gebucht. Diesmal war es kein nettes Mädchen namens Ning, nein, es war ein sehr netter junger Mann namens Ding:-)

Von uns aus bis Suzhou sind es ca.250 km, also ging es mit dem Zug dahin. Diesmal waren wir in Begleitung von Alex Arbeitskollegen Martin, seiner Frau Nicole und zwei kleinen Mädels:-) Genauer gesagt waren es ein 3-jähriger Wirbelsturm namens Paula und ein 1-jähriger Wirbewind namens Karla:-)
Die Reise war turbulenter als sonst, aber es hat uns sehr viel Spaß gemacht mit ihnen zu reisen. Rafael „wütete“ mit Paula herum  und Ricarda hatte Spaß mit Karla.
Am zweiten Tag sagte Ricarda: „Mama, Karla ist sooooooo süüüüß!“
Darauf ich: „Ja und wieso willst du dein kein Geshwisterchen?“
Ricarda:“ Erst sind  sie soooo süüß und dann werden sie größer und werden wie …….Rafael“

Geschwisterliebe:-D
Aber nun zu unserer Reise…..
Suzhou ist eine 2500-jährige Stadt mit vielen Namen und Gesichtern. Zum einen nennt man  sie die „Stadt der Gärten“, es ist der Geburtsort der chinesischen Gartenbaukunst. Gestaltet wurden die Gärten durch die Elemente der Teiche, Hügel, bizarr geformter Felsen, Terrassen, Bäume und Blumen. Die Wege führen an dekorativen Pavillons, Hallen und Brücken vorbei und eröffnen immer neue Ausblicke auf die Gartenlandschaft, die einem Wechselspiel aus Ruhe und Bewegung gleicht.
Zwei davon haben wir heute besucht, der erste war der Garten des Meisters der Netze (网师园). Mit seinen 5000 m² zählt er zu den kleinsten und berühmtesten der südchinesischen Privatgärten.

Übersichtskarte des Gartens der Meister der Netze

so sehen die Pavillons von innen aus

rechts unten: Martin, Ding und Alex

wenn Pavillons zwei Stöcke hatten, waren oben die Schlafräume
diese „Treppe“ sollte wohl den Liebhabern das „Verschwinden“ erschweren:-)

links: Paula
rechts: Karla
in der Mitte: unsere beiden Models:-)

wir:-)

Martin, Nicole, Paula und Karla:-)

Ricarda, als große Schwester:-)

Nach der Besichtigung ging es erstmal zum Mittagessen.  Das Essen war im Preis enthalten, aber es war sehr lecker und es gab sehr viele verschiedene Gerichte. Was man aber sofort gemerkt hat, in dieser Gegend ist das Essen nicht so scharf, genauer gesagt, es ist gar nicht scharf:-) Hier würden unsere Kinder besser zu recht kommen, aber mir und Alex hat die Schärfe schon gefehlt:-)
Nachdem wir uns gestärkt haben, ging es weiter…..

Suzhou wird auch „die Seidenstadt“ genannt. Schon seit dem 14. Jahrhundert wird hier die beste Seide in China hergestellt – Grund genug für uns, auch eine Seidenspinnerei zu besuchen.

Man denkt ja über viele Dinge nicht nach, die man so tagtäglich vor Augen hat, wo sie herkommen, wie sie entstehen, sie sind einfach da und man nutzt sie. Seide ist eins von diesen Dingen, ich habe mir nie Gedanken gemacht, wie Seide entsteht. Ich muss sagen es war sehr interessant und faszinierend den Entstehungsprozess zu sehen. Die Kinder fanden es ebenfalls ganz toll. Ich versuchs mal verständlich wiederzugeben:-)

Der Seidenraupe ist die Larve des Seidenspinners, eines in China beheimateten  Schmetterlings. Nach der Paarung legt das Weibchen ca. 400 Eier und stirbt anschließend.

Aus den befruchteten Eiern schlüpfen die Seidenraupen.

Die geschlüpften Larven werden mit Blättern des Maulbeerbaums gefüttert. Sie fressen sehr grosse Mengen und wachsen deshalb sehr schnell.

Ca. 30Tage nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei ist die Larve spinnreif und beginnt mit dem Einspinnen. Die Raupe verfügt über Spinndrüsen, diese bestehen aus einem gewundenen Schlauch. Diese Drüsen sondern Proteine ab, die an der Luft sofort erhärten, so entsteht ein Faden, der Seidenfaden. Weil die Raupe dabei gezielte Bewegungen macht, legt sie den Faden um sich herum. So entsteht ein Kokon. Der Kokon besteht aus einem einzigen Faden, der bis zu 900 Meter lang werden kann.

Acht Tage nach dem Einspinnen verpuppt  sich die Seidenraupe, nach weiteren acht Tagen würde der Schmetterling schlüpfen. Da dies aber den Seidenfaden zerstören würde, werden die Raupen mit heissem Dampf oder im heissen Wasserbad abgetötet. 

rechts oben: die Pinsel helfen den Anfang des Fadens zu finden
rechts unten: Kokonreste
links: da der Faden sehr dünn ist, werden 8 Fäden zu einem Faden aufgewickelt

Die aufgewickelten Seidenfäden werden gereinigt und weiterverarbeitet.

Die Kokonreste werden ebenfalls weiterverarbeitet, in diesem Fall zu Decken.

links: manchmal kommt es vor, dass zwei Raupen in einem Kokon sind

unsere Männer durften bei der Herstellung von Decken mitwirken:-)
man glaubt es kaum, wie sehr sich so ein kleines Stück ausziehen/ausdehnen lässt

natürlich konnte man anschließend auch die unterschiedlichsten Sachen aus Seide erwerben
wir sind nicht fündig geworden:-)

solange wir uns die schicken Seidenwaren angeschaut haben, haben Paula und Rafael eine Freundin gefunden:-)

Nach diesem interessanten Rundgang ging es zu unserem Hotel, den restlichen Tag zur freien Verfügung.
Nach einer kurzen erholungspause machten wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden.

rechts oben: leckere „Beeren“, ähnlich den Weintrauben
links: in Erwartung der Kundschaft

Direkt neben unserem Hotel befand sich ein weiterer Garten, der Garten des Verweilens (留 园, Liu Yuan). Das Wort „Liu“ im Chinesischen heißt bleiben. So bedeutet Liu Yuan 留 园 „Garten bleiben.“ Es bedeutet einen Garten, in dem man bleiben, sich entspannen und verweilen kann. Dieser Garten strahlte eine Ruhe aus, egal wiviel Krach unsere Kinder gemacht haben:-) …diesen Garten fanden wir schöner als den ersten.

die Übersichtskarte des Garten des Verweilens
mein Selbstporträt habe ich erst später entdeckt…:-)

 

übrigens: das Foto von Paula hat Rafael höchstpersönlich gemacht:-)

rechts: ein Pärchen trägt Oberteile im Partnerlook, trifft man in China ganz oft

Dank seiner strategisch vorteilhaften Lage im fruchtbaren Mündungsgebiet des Yangtze -Flusses und am Kaiserkanal, gehörte Suzhou schon immer zu den bedeutendsten Handelszentren Chinas. Ich finde man merkt es der Stadt an. Der Kaiserkanal  ist mit  einer Gesamtlänge von 1.794 Kilometern der längste künstliche Wasserweg der Welt. Er führt von Peking nach Hangzhou und verbindet 5 große Flüsse.

rechts: die Taxis in Suzhou sehen edler aus als in Nanjing:-)
links: die meisten Haltestellen sind im chinesischen Stil gebaut, lt. Ding trifft man solche Haltestellen nur in Suzhou

An diesem Tag fanden im Hotel gleich drei Hochzeiten statt, in Natura haben wir nur eine Braut gesehen, die anderen nur als große Pappfiguren:-) Ich weiss nicht ob ich es bei unserem Urluab in Guilin erzählt habe, da hatten wir ebenfalls im Hotel eine Hochzeit gehabt und haben den Empfang der Gäste miterlebt. Das Brautpaar steht am Eingang des Hotels und empfängt Gäste. Die Braut hat eine Schale mit Süßigkeiten und Zigaretten und jeder Gast bekommt nach dem gratulieren entweder was Süßes oder eine Zigarette:-) das Feuer hat die Braut auch gleich parat 🙂

der Hotelgarten in Abendbeleuchtung

Es war ein interessanter und aufregender Tag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert