Alex noch allein zu Haus:-)

 Heute musste ich zur Impfung. Meine Familie holt diese zu Hause in Deutschland nach, ich bin darauf angewiesen es in Nanjing zu tun. Habe mich vorerst bei Kollegen umgehört, zu welchem Doktor man hier gehen kann. Nach unserer Erfahrung in Shanghai beim Gesundheitscheck während unseres Pre-Visits, wollte ich die einheimischen Krankenhäuser, bzw. Ärzte meiden. Damals kamen wir uns wie bei einer Fließbandfertigung vor, als in einer halben Stunde alle notwendigen Untersuchungen durchgeführt wurden. Der Röntgensaal sah aus, wie in den 80-ern in Russland, also nicht wirklich modern…
Was man hier ebenfalls oft zu sehen bekommt, wenn man durch die Stadt schlendert sind Arztpraxen, wo man dem Arzt quasi als Passant durchs Fenster Behandlungstipps geben könnte, denn die Behandlungsräume sind von aussen durchs Fenster einsehbar.

Also habe ich mich für eine internationale Praxis entschieden, wo die chinesischen Krankenachwestern freundlich nachfragten, von welchem Arzt ich behandelt werden möchte. Wobei es im Nachhinein keine Rolle gespielt hat, weil die Impfung von der Schwester ausgeführt wurde und der Arzt nur das Pflaster angebracht hat und mir die Hand beim verabschieden geschüttelt hat.

Auf dem Rückweg bin ich an einem Park (Peace Square, Shiuximen Street) vorbeigegangen. Ich habe schon mal gelesen, dass es so eine Art Heiratsbörsen gibt, bei denen besorgte Eltern eigene Kinder im kritischen Alter(so ab 25) verkuppeln. Es werden Zettel mit den wichtigsten Daten ausgehangen und die Interessenten laufen rum und suchen sich die Schwiegerkinder aus  🙂

Ich habe mir vorgenommen möglichst viel zu Fuß zu laufen um mehr von der Stadt zu sehen. Das Wetter lud zwar nicht dazu ein, aber ich wollte ja unbedingt den Nanjinger Fotoladen besuchen. Nach der Online-Karte sollte es nicht weit von der bereits erwähnten „Elektronik-Meile“ entfernt sein. Aber schon auf dem halben Weg habe ich ein Zwischenstopp bei „Mc Doof“ eingelegt um mich bei einem heißen Kaffee aufzuwärmen. Als ich mich in der Schlange eingereiht habe, kam ein gut gekleideter junger Mann auf mich zu, der mir bereits auf der Treppe schon entgegengekommen ist und redete auf mich ein, natürlich in Chinesisch. Erwartungsgemäß verstehe ich nur „Bahnhof“ und mit karger Hilfe der Kassiererin erahne ich, dass er mein Handy sehen möchte. Dem Wunsch sei entsprochen. Einige werden wissen, dass ich nicht viel Wert auf die neueste Technik der modernen Kommunikationsmittel lege und dass ich deshalb ein uraltes Schätzchen besitze, was die Form einer Blockschokolade hat und nicht mal eine Kamera hat. Ich hole also stolz meine Rarität aus der Hosentasche, was den jungen Mann jedoch nicht zufrieden stellt und er nach einem weiteren Handy fragt. Angeblich sei ihm seins gerade abhanden gekommen. Ich versichere ihm, ich hätte keins mehr und widme mich meiner Bestellung. Der junge Mann fragt an, ob er meine Taschen durchsuchen dürfe. Aber, alles hat seine Grenzen…. Den Spaß gönne ich ihm nicht, wobei ich vorsichtig auf die Reaktion seiner Begleiter schaue. Die zucken vorerst mit den Schultern, begleiten aber meinen Kaffee und mich zum Tisch und beraten sich über die nächsten Schritte. Ich hole demonstrativ eine Zeitschrift aus dem Rücksack um meine sichere Haltung zu unterstreichen und versuche das Geschehen um mich herum zu ignorieren. Mit der Zeit wird es den Jungs zu doof auf mich aufzupassen und sie verziehen sich. Kurze Zeit später taucht das vermeintliche Opfer wieder auf und entschuldigt sich, da es wohl doch ein Missverständnis sei, sein „allerwertestes“ ist wieder aufgetaucht:-)  So bin ich knapp der einheimischen Justiz entkommen, obwohl ich mir insgeheim schon meine neuen Freunde in gestreiften Anzügen bildlich  vorgestellt habe:-)

 

Irgendwann bin ich auch im Fotoladen angekommen. Wobei der Begriff nicht unbedingt passend ist. Es ist ein größeres Einkaufszentrum.

Im Erdgeschoss ist eine Ansammlung vieler kleinen Läden mit ungefähr den gleichen Waren. Preislich wollten die sich zumindest bei Objektiven nicht großartig unterscheiden, was auch das deutsche Amazon konkurrenzfähig machte.  Weil die Verbraucherrechte hier nicht so stark, wie zu Hause geschützt werden, ließ ich mich auf keine längeren Verhandlungen ein.

Im ersten Obergeschoss entdeckte ich einige Bastler die sich die feinmechatronischen Reparaturen zutrauten. Jede Menge zerlegter Objektive, Kompakt und DLSR-Kameras häuften sich im Regal. Da ich keinerlei Mess-Equipment oder Ähnliches in de Nähe sichten konnte, ist mir die Qualität und Wirksamkeit solcher Eingriffe schleierhaft geblieben. Aber interessant, es gesehen zu haben. Weiterhin wird dem Fotostudio-Liebhaber der diverse Zubehör angeboten: Blitze, Belichtung, Hintergrundhalterungen usw.

Ein weiteres Stockwerk höher haben sich diverse Händler niedergelassen, die jeglichen Kram für Hochzeitsfotografie anbieten: Dekoration, Kleidung, Perücken, Fotoposter in voller Mann- und Frau-Größe, die bei den Hochzeitsfeiern im Eingangsbereich aufgestellt werden und zum Beispiel bei uns in der Wohnung als Abdeckung der Hinterwand im Ankleideschrank Wiederverwendung gefunden hat:-)

 

Am Sonntag war ich freundlicherweise zu der vorgezogenen Weihnachtsfeier bei Nicole und Martin eingeladen, wo wir einen wunderschönen Abend verbracht haben. Es war so schön, das ich mich spontan bereit erklärt habe, mit Shyam (einem weiteren eingeladenen Kollegen) auf dem Roller mit zukommen. Er hat dabei die gleiche Restmenge Blut im Alkohol gehabt wie ich, so dass die Angst uns fremd war. Nur den eisernen Wind, der bei einer flotten Rollerfahrt von gut 20 Minuten einen begleitet, habe ich unterschätzt…. So war ich halberfroren aber glücklich zu hause angekommen.

 

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