wenn die Männer aus dem Haus sind…..

treffen sich die Frauen………zum Kochen:-)

An diesem Wochenende, haben Alex und seine Kollegen einen Betriebsausflug. Also treffen wir, „die deutschen Hella-Frauen“, uns bei Nicole und kochen zusammen lecker chinesisch:-) Nicole kocht öfter mal mit ihrer chinesischen Haushaltshilfe, also hatten wir auch die Rezepte aus erster Quelle:-)

li.o: Schweinefleisch süß-sauer (bitte nicht mit deutsch-chinesischem süß-sauer verwechseln) und Gurkensalat
li.u: Lotuswurzel und Frikadellen (ich glaube mit Tofu)
re.o: sehr scharfe Fischsuppe (hat die Haushaltshilfe vorbereitet)
re.u: eine Art Rettichsalat und Auberginen

Die großen Mädels übernahmen die Rolle der Babysitter:-)

Den Bericht von Alex gibt es etwas später, er hat nun mal nicht so viel Freizeit wie ich:-)

ALEX:

Es heisst doch lieber später als nie, nun hab ich endlich Zeit gefunden euch über unser „Outing“ zu berichten:-)

Wir haben schon direkt nach der Einladung gerätselt, wer und wie sich dabei outen soll:-) Im Endeffekt war es ein recht luxuriöser und sehr gut organisierter Betriebsausflug nach allen Regeln der Kunst.  Vorher gab es bereits viele heiße Spekulationen und Diskussionen über das Event, von denen ich nur ein Teil mitbekam, und auch das nur dank der Übersetzungen meiner persönlichen Betreuerin You Yuting, auf deutsch Anja.
(Man muss dazu sagen, viele Chinesen suchen sich westliche Namen aus für ihr „Arbeitsleben mit Ausländern“)

Im Jahr davor war es wohl grandios: da hat die Firma zur Motivationssteigerung und Heranziehen neuer Mitarbeiter  einen Kurztrip auf die Urlaubsinsel Hainan (das chinesische Mallorca) gesponsert. Da war auch die Enttäuschung bei vielen anzumerken, als die Details für dieses Jahr bekannt wurden. Es sollte für die knapp 800 Kollegen mit dem Zug zur  naheliegenden Stadt Jiaxing gehen, wo man sich unter dem diesjährigen Motto „Olympia“ bei den sportlichen Wettbewerben behaupten darf und am Tag darauf ins naheliegende historische Dorf Wu Zhen gefahren wird. Geplant, getan. Jedem Mitarbeiter wurde ein blaues Firmen-Shirt ausgegeben, um die Firmenzugehörigkeit zu betonen und das Wiederfinden der Kollegen in den Massenmengen an Bahnhöfen, auf dem Hin- und Rückweg und bei den Ausflügen in den Touristenmassen zu erleichtern. Bereits im Zug ergaben sich lustige Gespräche und Spielchen. Ich habe die Zeit gemütlich beim Spielen des mir vertrauten „UNO“ verbracht.

Bei der Ankunft mit dem Zug ging es direkt zum Mittagessen in ein Lokal, dessen Dimension mich überwältigt hat. Denn es wurden wirklich alle 800 gleichzeitig bewirtet.

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Leider war der Freitag verregnet, so dass es anschließend unters Dach eines Stadions ging und nicht wie geplant ins Freie, auf die Wiese. Aber auch im Stadion hatten wir reichlich Platz und Spaß gefunden.

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Anschließend an eine Motivationsrede von unserem obersten China-Boss wurden wir aufgefordert in jeder der 20 Gruppen, in die wir aufgeteilt wurden, ein Slogan auszudenken und zu präsentieren. Das soll ja den Teamgeist stärken!!! Nach ein Paar Aufwärmübungen, wo man seinen Vor- oder Hintermann mal massieren durfte, ging es zu den Aufgaben über.

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man beachte den Größenunterschied zwischen Chinesen und Europäern:-)

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Es wurden die Einzeldisziplinen angeboten sowie Gruppen-Wettkämpfe. Man durfte sich vorher was aussuchen und anschließend wurde von Organisatoren festgelegt, wer was machen darf. Die  meisten haben sich für Tischtennis oder Darts  angemeldet. Da ich bereits aus meiner Studentenzeit weiß wie gut Chinesen in Ping-Pong sind (mein Wohnheim an der Riedeselstrasse in Darmstadt sei hiermit gegrüßt) habe ich mir ausgesucht, was ich mir noch zutrauen würde: nämlich das Seilspringen.  Gedacht habe ich aber doch, dass wir anschließend alle an den Gruppenwettkämpfen teilhaben werden, die ganze Aktion soll ja die Kollegen verbinden und die Zusammenarbeit erleichtern. Umso mehr war ich verärgert als es hieß: Junge, du gehst zu deinem Wettkampf und nur die, die nicht eingeteilt sind, machen die Gruppenaufgaben…

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Also habe ich mir erst die chinesische Art des Seilspringens angeschaut, samt der Seile die mit den Zählern ausgerüstet sind. War für mich neu, da ich es sonst nicht so oft tue und wohl nicht up to date war. Das interessante dabei, trotzt dieser hochmoderner Ausrüstung, wurde jedem Teilnehmer eine Person zugeteilt, die die Sprünge manuell zählte und nach 2 Minuten (die können ja sehr lang werden:-)) Daueranstrengung  fürs Protokoll das Ergebnis weitergab. So bescheiden wie ich halt bin, habe abgewartet bis ich dran war, meine Pflicht erfüllt und mich auf die Suche nach meiner Gruppe begeben, die fleißig dabei waren dem Gruppenpokal nahe zu kommen. Das war auch interessanter als der Einzelwettkampf:-)  Leider waren wir zu gut, bzw. zu schnell, so dass es nach Erfüllung aller Aufgaben immer noch genug Zeit blieb zum Rumlungern und die fleißigen Chinesen bei diversen Beweglichkeits- und Geschicklichkeitsspielen zu beobachten. Anschließend wurden wir alle wiederversammelt und es wurden die Sieger bekanntgegeben:  mit öffentlichem Überreichen der Medaillen, nach allen Regeln des Wettkampes: 3-t prämierten, 2-t prämierten und schließlich die Besten.  Die letzten bekamen die Medaillen höchstpersönlich von dem obersten Chef, der für China verantwortlich ist, überreicht. Ich denke dass ich ein Opfer der  chinesischen Kunst des Verzählens geworden bin und durfte eine Medaille kassieren:-)
(Irina: mein Mann ist mal wieder seeehr bescheiden:-))

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 Es kam dennoch eine Enttäuschung dazu auf, als man mir sagte dass in der Nachbarhalle Kampfsportler wären, wahrscheinlich eine Karate-Schule oder so. Ich machte mich sofort auf die Suche und nach dem ersten Umrunden der Halle habe ich auch die Verdächtigen entdeckt: es waren meine lieben Taekwondo-kas in Aktion. Da habe ich real gefühlt was ich schon lange vermisse: unser VfB-Training… Am besten hätte ich mich dazu gestellt und mitgemacht….. Aber wir mussten bereits zum Abendessen aufbrechen. Das wurde wieder in  nur einer rieseigen Halle des Restaurants für alle gleichzeitig  serviert. Natürlich mit Bierchen, welches nach der sportlichen Höchstleistung noch besser schmeckte 🙂

Bei der Rückkehr im Hotel stelle sich die Frage, was man nun mit dem angebrochenen Abend anfangen könnte….. Nach einer kurzen Krisensitzung wurde der Plan festgelegt: es soll in einer Bar weiter getanzt und getrunken werden.

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Zum Glück fanden sich ein paar freiwillige Jungs und Mädels aus dem Kreise der einheimischen Kollegen, die mitkamen und gute Guide- und Übersetzungsdienste leisteten. Für mich war es die erste chinesische Disko-Bar bis dahin, so dass diverse Erfahrungen durchaus neu waren: dass man auf einmal eine ganze Kiste Bier bestellt, soll ja günstiger sein. Später habe ich aber, die geniale Geschäftsidee die dahinter steckt, erkannt. Als unsere Flaschen angebrochen wurden gingen die meisten von uns die Hüften schwingen auf einer gefederten Tanzplatte. Ein tolles Gefühl wenn die Menge die ausgelegte Konstruktion an ihre Grenzen durch Aufschwingen bringt:-)  Aber unsere Abwesenheit wurde bestens genutzt… Kaum waren wir weg, kamen schon etliche Bedienstete der Bar an unserem Tisch vorbei, bedienten sich beim Bier und der Höhepunkt: die mischten auch noch unsere Flaschen durcheinander damit wir bei der Rückkehr quasi gezwungen waren neue aufzumachen, da keiner mehr seine Flasche wiederfand. Tolles Geschäft, muss man zugeben. Später standen auch noch die jungen Tisch-Aufpasser und haben mit von uns bezahltem Bier mit uns angestoßen,  bis wir kapiert haben, wer die waren und was da gerade abging.

War nicht desto trotz ein sehr lustiger und gelungener Abend, der noch lange in der Erinnerung hängen bleibt, da wir noch bei der Rückkehr ins Hotel die vom lebenserfahrenen Volker seine mitgebrachte Becherovka alle machten 🙂

 

Das Aufstehen am nächsten Morgen bereitete mir weniger Spaß als der Abend zuvor. Zu meiner Qual machten wir noch einen Ausflug ins naheliegende Wasserdorf Wu Zhen, sehr ähnlich wie das Dorf Tongli bei Suzhou, welches wir bereits besichtigt haben.

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So dass all meine letzte Kraft der Suche nach einer Sitzmöglichkeit gewidmet war… Meinen Kollegen, vor allen dem Andreas bereitete es eine Freude diese Momente mit der Kamera festzuhalten.

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Nach dem Mittag ging es mit dem Bus zum Bahnhof nach Shanghai. Im Bus wurden diverse Lieder gesungen und Witze erzählt, sogar mit englischer Übersetzung, wobei natürlich der Sinn verloren ging. Die Chinesen sind gut geübt in dem gemeinschaftlichen Zeitvertreib. Am Bahnhof haben wir noch eine angekommene Militär-Einheit angetroffen. Mich hat die überdurchschnittliche Größe dieser Männer von geschätzten 190 cm und höher beeindruckt. Und dann ging es endlich nach Hause, wo uns keiner erwartete, denn unsere Frauen mit Kids die männerfreie Zeit bei Nicole auskosteten.

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